Fotografie-Glossar
Alle wichtigen Fachbegriffe einfach erklärt – damit du weißt, was du tust und warum.
B
Die Belichtungszeit gibt an, wie lange der Kameraverschluss geöffnet ist und Licht auf den Sensor fällt. Kurze Zeiten (z.B. 1/1000s) frieren Bewegungen ein, lange Zeiten (z.B. 5s) erzeugen Bewegungsunschärfe – zum Beispiel bei fließendem Wasser oder Lichtspuren von Autos.
Für fließendes Wasser fange ich gerne mit 1/4 Sekunde an – das gibt einen schönen Seideneffekt, ohne dass alles zu weich wird. Ohne Stativ geht das natürlich nicht.
Das Belichtungsdreieck beschreibt das Zusammenspiel der drei Faktoren, die deine Belichtung bestimmen: ISO, Blende und Belichtungszeit. Sie beeinflussen sich gegenseitig – änderst du einen Wert, müssen die anderen angepasst werden, damit das Bild korrekt belichtet ist.
Stell dir das Dreieck buchstäblich vor: drei Seiten, die sich gegenseitig bedingen. Einmal verstanden, macht die manuelle Steuerung der Kamera richtig Spaß.
Die Blende ist eine verstellbare Öffnung im Objektiv, die bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Sie wird in f-Werten angegeben (f/1.8, f/8, f/16). Ein kleiner f-Wert (f/1.8) = große Öffnung, viel Licht, geringe Tiefenschärfe. Ein großer f-Wert (f/16) = kleine Öffnung, wenig Licht, alles scharf.
Für Landschaftsfotos nutze ich meistens f/8 bis f/11 – da ist die Schärfe von vorne bis hinten optimal und das Objektiv zeigt seine beste Leistung.
Bokeh bezeichnet den ästhetischen Charakter der Unschärfe im Hintergrund eines Fotos. Es entsteht durch eine große Blendenöffnung und sorgt dafür, dass das Motiv sich deutlich vom Hintergrund abhebt. Lichtpunkte werden dabei zu weichen, runden Scheiben.
Nah ans Motiv, Hintergrund weit entfernt, Blende so weit offen wie möglich. Lichtpunkte im Hintergrund werden dann zu traumhaften Unschärfekreisen.
Die blaue Stunde ist die Zeit kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang. Das Sonnenlicht ist noch unter dem Horizont, beleuchtet aber die Atmosphäre indirekt – weiches, blaustichiges Licht ohne harte Schatten. Perfekt für stimmungsvolle Landschaften und Stadtaufnahmen.
Die blaue Stunde dauert nur 20–30 Minuten. Ich bin immer 45 Minuten vorher aufgebaut – damit ich nichts verpasse und in Ruhe komponieren kann.
Die Brennweite (in Millimeter) bestimmt den Bildwinkel des Objektivs. Kurze Brennweiten (z.B. 14mm) erfassen viel vom Motiv – Weitwinkel. Lange Brennweiten (z.B. 200mm+) holen weit entfernte Motive nah heran – Tele. 50mm entspricht ungefähr dem menschlichen Sehfeld.
Für Landschaften nutze ich meistens 14mm oder 24–120mm. Für Tierfotografie kommt das 150–600mm raus. Die Brennweite bestimmt die Geschichte, die das Bild erzählt.
D
Die Drittel-Regel ist ein klassisches Kompositionsprinzip. Das Bild wird gedanklich in ein 3×3-Raster aufgeteilt. Wichtige Elemente werden auf die Linien oder deren Schnittpunkte gesetzt – statt genau in die Mitte. Das wirkt dynamischer und lebendiger.
Die meisten Kameras haben ein Gitter-Overlay im Display. Einfach einschalten! Dann siehst du die Hilfslinien direkt beim Fotografieren.
F
Führungslinien sind Linien im Bild – Straßen, Zäune, Flüsse, Wege – die das Auge des Betrachters durchs Bild leiten und Tiefe erzeugen. Sie starten oft am unteren Bildrand und führen zu einem Hauptmotiv oder in den Hintergrund.
Der häufigste Fehler: viele stellen sich neben die Linie statt dahinter. Geh direkt dahinter, geh tief runter – dann entfaltet die Linie ihre ganze Wirkung.
G
Die goldene Stunde ist die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. Das Licht ist warm, weich und fällt flach ein – kaum harte Schatten, Farben leuchten intensiver und selbst normale Motive sehen spektakulär aus.
Ich plane meine Touren so, dass ich 30 Minuten vor der goldenen Stunde schon aufgebaut bin. Das Licht ändert sich in Minuten – wer zu spät kommt, verpasst den besten Moment.
H
Das Histogramm ist eine grafische Darstellung der Helligkeitsverteilung in deinem Bild. Links = Schatten, rechts = Lichter. Wenn der Graph links abschneidet, ist das Bild unterbelichtet. Wenn er rechts abschneidet, sind Lichter ausgefressen (überbelichtet).
Verlass dich nicht auf das Display – es kann täuschen, besonders in der Sonne. Das Histogramm lügt nicht. Ich schaue nach jedem wichtigen Shot drauf.
I
ISO gibt die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors an. Niedriger Wert (z.B. 100) = wenig empfindlich, kaum Rauschen, braucht viel Licht. Hoher Wert (z.B. 3200) = sehr empfindlich, funktioniert bei wenig Licht – aber das Bild wird körniger.
Für Landschaften am Tag: ISO 100 oder 200 – immer. Bei der Milchstraße oder Nachtfotografie gehe ich auf 800–3200. Moderne Kameras können da aber viel mehr als früher!
K
Komposition beschreibt, wie du die Elemente in deinem Bild anordnest – was kommt wohin, was lässt du weg, wie führst du das Auge des Betrachters? Eine gute Komposition macht den Unterschied zwischen einem Schnappschuss und einem starken Foto.
Bevor ich auf den Auslöser drücke, frage ich mich: Was ist mein Hauptmotiv? Was lenkt ab? Dann gehe ich so lange ums Motiv herum, bis die Komposition sitzt.
L
Bei der Langzeitbelichtung bleibt der Verschluss mehrere Sekunden oder Minuten geöffnet. Bewegliche Dinge – Wasser, Wolken, Autos – werden als weiche Streifen abgebildet, statische Elemente bleiben scharf. Ein Stativ ist Pflicht.
Fernauslöser oder Selbstauslöser (2s) nutzen – das verhindert Verwackeln. Und tagsüber unbedingt ND-Filter verwenden, sonst wird das Bild hoffnungslos überbelichtet.
M
Die Milchstraße ist von April bis Oktober sichtbar – am besten in mondlosen Nächten weit weg von Lichtverschmutzung. Typische Einstellungen: ISO 1600–6400, Blende f/2.8, Belichtungszeit 15–25 Sekunden (die „500-Regel" hilft, Sternstriche zu vermeiden).
500-Regel: 500 geteilt durch deine Brennweite = maximale Belichtungszeit ohne Sternstriche. Bei 14mm ca. 35 Sekunden, bei 24mm ca. 20 Sekunden.
N
Ein ND-Filter (Neutral Density = Graufilter) reduziert das einfallende Licht, ohne die Farben zu verändern. Damit kannst du auch bei Tageslicht lange Belichtungszeiten nutzen – für seidiges Wasser oder fließende Wolken. Es gibt verschiedene Stärken: ND4, ND8, ND64, ND1000.
Ich nutze am häufigsten einen ND64 (6 Stops) – der gibt mir tagsüber ca. 1–4 Sekunden Belichtungszeit bei f/8. Für dramatischere Effekte greife ich zum ND1000.
R
RAW ist ein unkomprimiertes Rohdatenformat – die Kamera speichert alle Sensordaten ohne Verarbeitung. Das gibt dir maximale Freiheit in Lightroom & Co. JPEG hingegen wird direkt von der Kamera berechnet und komprimiert – kleiner, aber weniger Spielraum bei der Bearbeitung.
Wenn du ernsthaft fotografierst: immer RAW. Bei schwierigen Lichtsituationen kannst du in Lightroom noch retten, was bei JPEG unwiederbringlich verloren wäre.
S
Star Trails entstehen, wenn die Erdrotation sichtbar gemacht wird: Viele Einzelaufnahmen zeigen die Sterne als Lichtbögen am Himmel. Der Polarstern bleibt dabei fast still im Zentrum – alle anderen Sterne kreisen um ihn herum.
Ich mache ca. 100–200 Einzelaufnahmen à 25 Sekunden und stacke sie in der Software. Das gibt mehr Kontrolle und deutlich weniger Rauschen als eine einzige lange Belichtung.
T
Tiefenschärfe beschreibt den Bereich im Bild, der scharf abgebildet wird. Geringe Tiefenschärfe = nur das Hauptmotiv ist scharf, der Hintergrund verschwommen (Bokeh). Hohe Tiefenschärfe = alles von vorne bis hinten scharf. Beeinflusst durch Blende, Brennweite und Abstand zum Motiv.
Für Landschaften will ich meist alles scharf – deshalb f/8 bis f/11. Bei Portraits oder Blumenfotos öffne ich die Blende weit auf (f/1.8–f/2.8) für schönes Bokeh.
W
Der Weißabgleich sorgt dafür, dass Weiß auf deinem Foto wirklich weiß aussieht – unabhängig von der Lichtquelle. Sonnenlicht ist warm-gelblich (ca. 5500K), bewölkter Himmel kühler (ca. 7000K), Glühbirnen sehr warm-orange (ca. 2800K).
In RAW fotografieren und den Weißabgleich nachträglich in Lightroom anpassen – das ist am flexibelsten. In der goldenen Stunde lasse ich ihn bewusst etwas wärmer, das verstärkt die Stimmung.
Kein Treffer gefunden
Diesen Begriff habe ich noch nicht im Glossar. Schreib mir – ich füge ihn gerne hinzu!
